"Hätte ich das doch schon früher gewusst!"

... ist ein Satz, den ich von so gut wie jeder Familie höre, die wegen Problemen in der Schule zu mir kommt.
Leider hält sich nämlich beharrlich die Meinung, dass man Lernschwächen frühestens in der 2. Klasse Volksschule feststellen kann, wenn die Probleme mit der Aufmerksamkeit, den Buchstaben und/oder den Zahlen ersichtlich werden. 

Aus meiner Sicht ist das sehr schade, denn es gibt unzählige Vorzeichen, die man schon früh bemerkt, die aber häufig nicht erkannt oder abgetan werden. Die Meinung, dass sich vieles "auswachsen" wird und dass "Kinder eben so sind" ist veraltet. Man weiß mittlerweile so viel mehr über das Gehirn als früher. Daher kann ich lange vor dem Schulstart ohne medizinische Untersuchung, nur durch die pädagogische Analyse des Verhaltens und der Fähigkeiten Deines Kindes erkennen, ob sich alle Gehirnareale gut verbunden haben, welche die dominante Gehirnhälfte Deines Kindes ist und ob die beiden Hemisphären gut zusammenarbeiten.

 

Schwierigkeiten in der Schule oder herausforderndes Verhalten liegen häufig daran, dass ein Kind nicht seinem Alter entsprechend wahrnimmt, in bildhafter Weise denkt und Sprache nicht automatisiert verarbeitet. Diese Ursachen von Lernschwierigkeiten zeigen sich schon Jahre bevor die Symptome in der Schule zum Problem werden und können in den meisten Fällen spielerisch korrigiert werden. Die Aufgaben, Spiele und Rätsel, die ich empfehle, sorgen im Gehirn für die notwendige Nachreifung, damit sich Probleme wie Konzentrationsschwäche, Entwicklungsverzögerung, eine zu kurze Aufmerksamkeitsspanne, Sprachschwierigkeiten, und manchmal auch Ticks abschwächen oder vielleicht ganz auflösen. 


Woher weiß ich, ob mein Kind anders wahrnimmt?

Kinder, die in der Schule schwer vorankommen, haben üblicherweise eine Vorgeschichte. Dazu zählen

  • Schwierigkeiten in der Schwangerschaft oder bei der Geburt
  • Dein Kind hatte Probleme mit den Ohren: Mittelohrentzündungen, Paukenerguss und ähnliches
  • Dein Kind verweigert Spiele und Beschäftigungen, die andere Kinder üblicherweise gerne machen
  • In Eurer Familie gibt es Verwandte, die eine Lernschwäche haben/hatten
  • Die Pädagogen im Kindergarten weisen darauf hin, dass es immer wieder zu herausfordernden Situationen kommt
  • Dein Kind ist/war in logopädischer oder ergotherapeutischer Behandlung
  • Dein Kind hat bereits eine Diagnose zu ADS, ADHS oder aus dem Autismus Spektrum

Wenn keiner der oben genannten Punkte zutrifft, Du aber nicht sicher bist, dann schau Dir gerne meine Checkliste durch.


Ursachen von Lernschwächen

Niemand ist perfekt und das ist gut so. Wir dürfen alle unsere kleinen Schwächen haben und Fehler machen. Das menschliche Gehirn ist sehr gut darin, kleine Lücken zu kompensieren und so kommen wir im Leben insgesamt gut voran. Gibt es aber zu viele "Baustellen", dann können die Kompensationsstrategien unseres Gehirns nicht mehr wirken.
Damit Dein Kind in der Schule Spaß hat und seinen Alltag gut bewältigen kann, ist es wichtig, dass folgende Fähigkeiten ausgereift sind:

* Automatisierung grundlegender Funktionen

Alles, was wir machen ohne nachzudenken, gelingt uns leicht. Wir müssen nicht bewusst überlegen, bevor wir handeln, sondern alles läuft leicht und meistens fehlerfrei ab. Besonders auffällig ist der Unterschied zwischen bewusster Steuerung und Automatisierung beim Autofahren oder bei der Abfolge von Tanzschritten. 

 

Basisfertigkeiten, um in der Schule erfolgreich voranzukommen sind die Auge-Hand-Koordination, die Blicktüchtigkeit und das richtige Setzen von Sakkaden, das Gefühl für Rhythmus, Balance und motorische Reaktion, die Kurzzeit-Merkfähigkeit und auditive vorsprachliche Grundfunktionen.

* Sprachverarbeitung

Gut funktionierende Ohren im Sinne des Hör-Organs haben nichts damit zu tun, wie das Gehörte beim Sprachverstehen verarbeitet wird. Es ist also durchaus möglich, dass Euer HNO Arzt einwandfrei funktionierende Ohren bestätigt, aber Dein Kind im Klassengefüge trotzdem die Lehrerin nicht gut versteht. 

Für ein gutes Verständnis des Gehörten müssen sieben Grundfunktionen altersentsprechend entwickelt sein. Außerdem ist die Fähigkeit der Wahrnehmungstrennschärfe unerlässlich, um Konsonanten und Vokale gesichert im Sprachverlauf zu unterscheiden.

 

Frühe oder häufige Mittelohrentzündungen, Paukenerguss, aber auch nicht integrierte frühkindliche Reflexe und Umstände aus äußeren Einwirkungen können dazu beitragen, dass die Automatisierung dieser Funktionen nicht stattgefunden hat. In dem Fall bleibt das Zuhören, sofern es nicht nachträglich neu gelernt wird, für Dein Kind immer eine bewusste Leistung, die mehr Aufmerksamkeit fordert und auf Dauer anstrengend ist. 

* Frühkindliche Reflexe

Im ersten Lebensjahr ist Dein Baby auf einige Reflexe angewiesen, die sich parallel zu den Meilensteinen der Motorik integrieren sollten. Tun sie das nicht oder nur teilweise, dann bleiben manche Reflexe auslösbar. Sie belasten den Tonus, indem sie ihn zu stark oder zu schwach prägen. Ein nicht harmonischer Tonus sorgt nicht nur für zu viel oder zu wenig Bewegungsfreude, er funkt bei vielen Situationen im Alltag dazwischen. Reflexbelastungen erfordern Kompensations-leistungen, was den Alltag erschwert und das Vorankommen in der Schule belastet. 

 

Abgesehen von Schul- und Verhaltensthemen kann die Belastung durch den Moro Reflex auch zu Hochsensibilität führen. Etwa jeder fünfte Menschen zählt zur Gruppe der HSP, der hochsensiblen Personen und nimmt somit Reize intensiver und stärker wahr als andere Menschen das tun. Dazu können Geräusche, Gerüche, Licht aber auch das Kratzen von Kleidung, das Drücken eines Schuhs und die Berührung einer Kopfbedeckung gehören. All diese Empfindungen wirken störend, sie irritieren oder lenken das Kind von seinen Aufgaben ab. 

* Händigkeit beachten

Wir sprechen von Rechts- oder Linkshändern, dabei sollten wir von Links- oder Rechtshirnern sprechen. Während die Händigkeit eines Menschen nach außen hin durch Übung verändert werden kann, behält die dominante Gehirnhälfte ihre Führungsfunktion. Unser Gehirn lässt sich nicht verdrehen. Wer also eine rechts dominante Hand hat, dessen linke Hemisphäre gibt den Ton an. Und umgekehrt. 

 

In unserer auf Rechtshändigkeit ausgerichteten Welt, wird die angeborene Veranlagung zu Linkshändigkeit auch heute noch bei etwa jedem vierten Kind nicht (an)erkannt. Wenn Dein Kind linkshändig sein sollte, ist es sehr wichtig, dass Du das erkennst und förderst bzw. vor Umschulung auf die rechte Hand schützt, denn gerade in der Gruppendynamik von Krippe und Kindergarten kann es passieren, dass Kinder ihren Handgebrauch dem Umfeld anpassen.

 

Falsch gelebte Händigkeit sorgt nicht nur für Desorientierung im Alltag, sondern kann zu Gedächtnis- und Konzentrationsmangel führen, zu Verhaltensthemen, später auch zu schulischen Problemen ähnlich zu Legasthenie, zu feinmotorischen Schwächen und sogar zu Sprachstörungen. Auch Unsicherheit und Zurückgezogenheit einerseits, sowie Widerspruchsgeist und Imponiergehabe andererseits sind häufige Merkmale. Auch ein ständiger übermäßiger Leistungseinsatz sowie emotionale Probleme ohne erkennbare Ursache bis ins Erwachsenenalter können die Folge sein. 


Nachreifung

Aus meiner Sicht ist es nie zu früh, sich mit den oben genannten Themen zu beschäftigen und im Zweifelsfall überprüfen zu lassen, denn der Schulstart Deines Kindes klappt deutlich besser und entspannter, wenn Dein Kind alle diese Fähigkeiten bereits automatisiert hat.

 

Dank der Neuroplastizität unseres Gehirns ist es ein Leben lang möglich, dass Dein Kind diese grundlegenden Fähigkeiten nachholt, wenn sie sich bei ihm nicht ausgebildet haben. Die Nachreifung ist leider keine Zauberei, sondern ein länger dauernder Prozess, der einen Zeitaufwand von 15 bis 20 Minuten pro Tag erfordert und etwas Konsequenz.


KONTAKT:

Simone Kostka, BA | Die Mamalogin ePU

Einfühlsame Familienbegleitung von der Schwangerschaft bis zum Schulabschluss

 

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